Goethe-Gymnasium: Theater-AG führte das Stück „Wie Ihr Wünscht" auf

Es wird geliebt, gezaubert und gestorben

Bensheim. Rund eineinhalb Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zur Premiere. Jetzt war es wieder soweit: Das Goetheater, die Theater-AG des Goethe-Gymnasiums, präsentierte in der Schulmensa unter dem Titel "Wie Ihr Wünscht" ihr neu erarbeitetes Werk.

Wer steht hinter der Theater-AG des Goethe-Gymnasiums?

Seit acht Jahren bringt die AG unter Leitung von Torsten Weis Stücke auf die Bühne. Als Vorlage dient meist eine Romanvorlage, die in eigener, freier Bearbeitung zur Aufführung kommt - so auch in diesem Jahr. Rund 50 Schüler aus den Jahrgangsstufen 7 bis 12 bilden das Ensemble. Alle Rollen werden doppelt vergeben. Die Besetzung ändert sich von Vorstellung zu Vorstellung (in diesem Jahr sechs), so dass alle Schüler auftreten. Für das Bühnenbild ist der Wahlpflicht-Kunstkurs von Desiree Hanemann zuständig. Die Kostüme werden oft von engagierten Eltern geschneidert. Tradition ist, dass einige Lehrer Rollen übernehmen.

Welches Stück diente in diesem Jahr als Vorlage?

Als Vorlage für "Wir Ihr Wünscht" orientiert sich Goetheater am Fantasy-Mantel und Degen-Roman "Die Brautprinzessin" von William Goldmann (1973). Goldmann, ein erfolgreicher Drehbuchschreiber in Hollywood (Zwei Banditen, die Unbestechlichen), gibt vor, dass es sich bei seinem Werk nur um eine gekürzte Version eines Märchens eines gewissen (von Goldmann erfundenen) S. Morgenstern aus dem 18. Jahrhundert handelt. Verfilmt wurde "Die Brautprinzessin" 1987.

Was ist das Besondere an der Handlung?

Die Handlung spielt sich auf zwei Ebenen ab. Eine Großmutter, die Erzählerin, besucht ihre beiden Enkelinnen, eine ist erkrankt, und möchte den beiden Mädchen das "Morgenstern"-Märchen vorlesen. Die Mädchen weigern sich zunächst ("Märchen sind out"), tauchen aber schließlich völlig ein in die Geschichte. Großmutter und die zwei Enkelinnen sind am Rande der Bühne platziert und verfolgen von dort aus das Märchengeschehen auf der Bühne.

Welche Herausforderungen meistern die Schüler mit diesem Stück?

Die Handlung ist sehr umfangreich. Buttercup verliebt sich in ihren Stalljungen Westley, der ihre Anweisungen stets mit einem "wie ihr wünscht" beantwortet. Die beiden gestehen sich ihre Liebe, dennoch schleicht sich Westley davon, um sein (finanzielles) Glück zu suchen, schwört aber zu Buttercup zurückzukehren. Bei einer Überfahrt auf dem Meer wird er vom Piraten Roberts angeblich ermordet. Nach Erhalt der Nachricht vom Tod beschließt Buttercup nie mehr zu lieben. Drei Jahre später wird sie von Gräfin Rugen als Gemahlin für Prinz Humperdinck ausgewählt. Buttercup willigt ein, um ihrem Vater einen sicheren Lebensabend zu ermöglichen.

Es wird - stets mit einer gewissen Heiterkeit - geliebt, gefochten, gezaubert und gestorben und das über fast drei Stunden in wechselnden Bühnenbildern. Eine schauspielerische und logistische Herausforderung, die die gesamte Crew des Goetheaters bemerkenswert meistert.

Welche Rollen werden in "Wie Ihr Wünscht" besetzt?

Die Rollen sind sehr facettenreich angelegt. Die schmerzhaft arrogante Gräfin Rugen, fasziniert mit pointierter Sprache und äußerst vornehmen Bewegungen. Der schmierig-lüsterne Prinz Humperdinck, der sich mehrfach die Lippen leckend und sehr originell tanzend der schönen, überzeugend desillusionierten Buttercup nähert, gewinnt trotz seiner fiesen Art die Sympathien des Publikums. Die Textleistungen Iniga Montoyas und Vizzinis beindrucken. Alle Figuren sind prächtig besetzt. Auch die kleinen Rollen lassen den Akteuren Raum für besondere Akzente.

Und welche Rollen übernehmen die Lehrer?

Sie spielen die bösen, schweigsamen Sarazenen, die, wie das gesamte Ensemble, prächtig geschminkt und kostümiert unterwegs sind. Als Spezialkräfte von Humperdinck tragen die Sarazenen, abgesehen von ein paar dumpfen Schreien, textlich nichts bei, dürfen im Finale dafür immerhin allesamt schön sterben.

Gibt es eine "Moral von der Geschicht'"?

Das Publikum ist begeistert von der Aufführung, lacht und applaudiert viel während des Stücks. Als der Vorhang endgültig fällt, setzt es völlig zu Recht stehende Ovationen für das Ensemble. Auch einen Lerneffekt gibt es: "Wahre Liebe gewinnt immer".

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 23.02.2016

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