Nachbeben

Die Erschütterungen in den Seelen der Erdbebenopfer in Nepal

– ein Spendenaufruf von „Goethe hilft mit e.V.“ –

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Am 25. April dieses Jahres hat ein katastrophales Erdbeben der Stärke 7.8 auf der Richterskala in weiten Teilen Nepals unvorstellbare Schäden angerichtet und vo-raussichtlich mehr als 10.000 Menschen das Leben gekostet. Durch diese Naturka-tastrophe in einem der ärmsten Länder der Welt ist vielen Menschen das wenige genommen, was sie besaßen.

Bild 20150721 01 Apathie in Truemmern

Durch Erdrutsche unvorstellbaren Ausmaßes sind ganze Dörfer ausgelöscht worden.

Bild 20150721 02 Langtang Village vor und nach dem Beben

Auch noch Wochen und Monate nach dem ersten großen Beben ereigneten sich in Nepal täglich mehrfach Nachbeben der Stärke 4 bis 7, weshalb die Menschen sich mancherorts noch immer nicht zurück in ihre Häuser trauen.

Bild 20150721 03 Erdbebengraphik

In Nepal fand und findet ein Tragödie statt, die Weltbevölkerung indes hat ihre Auf-merksamkeit längst wieder auf andere Problem- und Skandal-Berichte gerichtet. Die Katastrophe war schon nach kurzer Zeit wieder aus den Schlagzeilen unserer Nachrichten verschwunden.

Die Erschütterungen in den Gemütern der nepalischen Bevölkerung sind in der westlichen Öffentlichkeit fast nicht mehr spürbar.

Während sich die Situation in Kathmandu und den umgebenen Königsstädten Patan und Bhakthapur schnell stabilisiert hat, dauert für den überwiegenden Teil der Betroffenen in den ländlichen Gegenden weit entfernt vom Kathmandutal dagegen das Drama an. In viele Dörfer sind Hilfskräfte noch nicht einmal vorgedrungen, das Ausmaß der Schäden ist noch immer nicht gesamthaft erfasst.

Gegenwärtig verschärft sich die Situation, denn seit Mitte Juni hat der Monsun die betroffenen Gebiete erfasst. Es ist zu befürchten, dass der Starkregen das durch die Erdstöße stark gelockerte Erdreich vielerorts davonschwemmen wird und es mit gro-ßer Wahrscheinlichkeit zu dramatischen Erdrutschen kommt. In vielen Regionen wird die Landwirtschaft auf den terrassierten Feldern entlang der Steilhänge durch die Erdrutsche herbe Einbußen erleiden, die Nahrungsmittelspeicher der Familien in den Dörfern werden nicht gefüllt werden können.

Die Menschen brauchen dringender denn je Hilfe, denn nach dem Monsun folgt ein nur kurzer, milder Herbst, und dann kommt der Winter.

Bild 20150721 04 Jhyale Sachit Shrestha

Bild 20150721 05 Jhyale Sachit Shrestha

Was kann „Goethe hilft mit“ tun?

In jedem unserer Projekte streben wir an, die über Spenden eingegangenen Mittel

  • gezielt zu platzieren und jeden Euro sinnvoll und ohne Verlust einzusetzen
  • ausschließlich als Sachspenden anzuwenden
  • gerecht an die Bedürftigen zu verteilen
  • lokale Betriebe zu fördern
  • einerseits die Bevorzugung einzelner Personen und Personengruppen zu ver-meiden und andererseits nicht in staatliche Förderprogramme einzugreifen

Im Fokus steht die Bildungsförderung, denn gut ausgebildete Menschen werden die Zukunft dieses Landes sichern. Bildung kann aber nur vollzogen werden, wenn die Existenz der Menschen gesichert ist.

Deshalb haben wir in diesem Jahr den Schwerpunkt unserer Arbeit in Richtung Existenzsicherung verlagert und unterbrechen das bisherige Hilfsprojekt für die Bal Sewa School, die bei dem Erdbeben schwer beschädigt wurde und deren Kinder und Lehrer auf andere Schulen verteilt wurden.

Unser Ansatz ist es, einzelnen, abseits der Haupt-Verbindungswege und Touristen-routen gelegenen Dörfern punktuelle Hilfe zu leisten, dort, wo sich die Hilfe großer Hilfsorganisationen verliert.

Wir bauen Patenschaften für Dörfer auf, zu deren Bewohnern wir persönliche Kon-takte haben. In diesem Rahmen wird der Aufbau von temporären Unterkünften und Schulgebäuden gefördert.

Dieses Konzept der Dorfpatenschaft haben wir

  • in Fikuri im District Nuwakot, das südlich des schwer betroffenen und bei Trekkingtouristen beliebten Langtang-Gebietes liegt, in einer ersten Stufe umgesetzt und
  • in Kerung im Distrrict Solukhumbu begonnen.

Bild 20150721 06 Nepal Earthquake with Fikuri and Kerung

Das Konzept beinhaltet

  • die Empfehlung einzusetzender Baustoffe:
    • es sollen in großem Umfang vor Ort verfügbare Materialien eingesetzt werden (z.B. Balken, Bretter, Ziegelsteine, Wellbleche usw. aus zerstörten Häusern), bzw. lokal erzeugbare  „Baustoffe“ wie z.B. Bambusmatten.

 Bild 20150721 07

    • Die Baustoffe sollen so eingesetzt werden, dass ein hohes Maß an Wieder-verwendbarkeit beim Bau der dauerhaften Häuser gewährleistet ist.
    • Mit Hilfe von Stahlwinkeln und Stahlverbindern sollen diese Materialien für einen einfachen Stützaufbau genutzt werden. Diese Materialien können von örtlichen Schmiede-Betrieben hergestellt werden, oder sind wie im Fall ebenfalls geeigneter Schlauchschellen überall erhältlich.

Bild 20150721 08 Winkelverbinder

Bild 20150721 09 Bambusverbinder mit Rohrschellen 01

  • die Vermittlung technischen Know-Hows:
    • Nepali sind im Allgemeinen sehr pragmatisch und lernen sehr schnell. Den-noch sind Kenntnisse hinsichtlich Verwendung moderner Baustoffe und Einsatz technischer Geräte in den dörflichen Regionen nicht weit verbreitet,  eine konstruktiv-/technische Hilfestellung ist also vonnöten
  • die Vermittlung organisatorischen Know-Hows:
    • Da die Menschen nicht zuletzt aufgrund der existentiellen Ausnahmesituation mit den anstehenden Aufgaben überfordert sind, bedarf es einer organisatorischen und planerischen Unterstützung.

Bild 20150721 10 Konstruktionshilfe

Wie und wo leistet „Goethe hilft mit“ Hilfe?

Rebuild Fikuri

Von Kathmandu benötigt man ungefähr 4 Stunden, um mit dem Bus nach Fikuri zu gelangen. Das Dorf umfasst ca. 50 Häuser, die sämtlich zerstört sind. Auch die Schule mit über 100 Schülern wurde zerstört.

Bild 20150721 11 zerstoerte Haeuser in Fukuri

Bild 20150721 12 zerstoerte Haeuser in Fukuri

Bild 20150721 13 zerstoerte Schule

Hier wohnen zwei unserer früheren Träger, Vater und Sohn, Dipak und Krishna Adhikari. Glücklicherweise verfügt das Dorf derzeit über ausreichend Trinkwasser. Auch eine Nahrungsmittelknappheit ist derzeit nicht absehbar.

Bild 20150721 14 Dipak Adhikari

Bild 20150721 15 Krishna Adhikari

Hier soll der Aufbau von temporären Unterkünften für möglichst viele Familien in dem Dorf und die Herrichtung der Schule unterstützt werden.

Um diese Ziele zu erreichen, bedurfte der Verein weiterer Unterstützung.

Wir sind sehr dankbar, dass uns zwei „Landeskinder“ unterstützt und das Programm massiv vorangetrieben haben. Ohne die Unterstützung der beiden hätten wir nie so schnell so gute Ergebnisse erzielen können.

Als Organisator und tatkräftiger Mithelfer in Nepal hat Amrit Magar die erforderliche organisatorische und planerische Hilfe geleistet.

Bild 20150721 16 Amrit Magar

Er stammt aus Kerung im Solukhumbu (südlich des Everest-Gebietes), das zwar ebenfalls, aber nicht existentiell betroffen ist. Er kennt Dipak und Krishna Adhikari aus Fikuri, ist aber nicht in die Dorfstrukturen eingebunden, so dass er als weitge-hend unabhängige Instanz angesehen werden kann.

Er hat sich in der Vergangenheit als guter Organisator erwiesen und spricht gut Englisch.

Als Dolmetscher, Koordinator und Ideengeber in Deutschland wirkte Sachit Shrest-ha. Er betreibt in Patan nahe Kathmandu ein kleines Software-Entwicklungsbüro und war zur Zeit des Erdbebens selbst in Nepal.

Bild 20150721 17 Sachit Shrestha

Sachit Shrestha hat das oben gezeigte intelligente System entworfen, das es möglich macht, mit wenigen, in lokalen Schmiedebetrieben herstellbaren Stahl-Verbindern und Einsatz von Baumaterialien aus den eingestürzten Häusern (Backsteine, Holzbalken, Wellbleche, Bambusmatten) temporäre Unterkünfte zu schaffen. Alternativ können die Stützbauten auch aus Bambusrohren, die schnell mit Schlauchschellen verbunden werden können, konstruiert werden.

Die Kosten liegen je nach Ausbaustufe bei 100 – 300 € pro Haus. Die erste Überweisung wurde für die Errichtung von zwei Unterständen ausgelegt, um die Menschen im Bau der temporären Unterkünfte und den pfleglichen Umgang mit den Ressourcen zu schulen. Hinzu kommt Geld für Werkzeuge und den Transport der nur in Kathmandu zu beschaffenden Materialien.

Nachdem wir den Eindruck gewonnen hatten, dass die Ideen und Konzepte umge-setzt werden können, haben wir den Aufbau weitergetrieben, und ca. 3 weitere Un-terkünfte geschaffen, eine bestehende Behelfsschule ausgebaut und ein Gebäude der zerstörten Schule wieder herrichten lassen.

Nach knapp 4 Wochen sind in Fikuri die dringlichsten Arbeiten erledigt, es haben nun alle Familien wieder ein Dach über dem Kopf und alle Klassen der Schule können wieder unterrichtet werden. Dazu haben die 100 Schüler von „Goethe hilft mit e.V.“ neue Schulmittel erhalten.

Bild 20150721 18 Uebergabe der Schulmittel

Bild 20150721 19 Dankeschoen

Bild 20150721 20 Behelfsschule vorher

Bild 20150721 21 Behelfsschule nachher

Bild 20150721 22 Altes Schulgebaeude  vorher

Bild 20150721 23 Altes Schulgebaeude  nachher

Bild 20150721 24 Altes Schulgebaeude  nachher

Die Dorfbewohner haben technische Kenntnisse erworben sowie die Notwendigkeit einer sauberen Planung erkannt, um schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Trotzdem verbleibt in Fikuri bis zum Wintereinbruch noch viel zu tun. Wir warten nun auf die Initiative der Dorfbewohner, uns genaue Listen von benötigten Bau-materialien zu schicken, um je nach verfügbaren Spendengeldern den weiteren Wiederaufbau zu unterstützen.

Amrit Magar hat Fikuri verlassen und befindet sich auf dem Weg in sein Heimatdorf Kerung im District Salleri im Khumbu. Hier wird er mit Unterstützung von „Goethe hilft mit e.V.“ die Wiederaufbau-Arbeiten vorantreiben. Vom Dorf erreicht man die nächste Straße in ca. 1 h zu Fuß.

Bild 20150721 25 Dorfansicht Kerung

Bild 20150721 26 Kerung Leben in temporaeren Unterkueften

Bild 20150721 27 Kerung Die Hilfe startet

Wo sind die Grenzen von „Goethe hilft mit“?

Für einen vollständigen Wiederaufbau der Dörfer sind weitaus höhere Summen fehlen uns die Mittel, denn für ein einfaches Wohnhaus müssen ca. 1.000 bis 2.000 € gerechnet werden. Das muss die nepalische Regierung mit Hilfe von Entwicklungsgeldern über staatliche Programme leisten. Derzeit verfügt sie über große finanzielle Ressourcen, die noch nicht eingesetzt wurden.

Auch ein Wiederaufbau der Häuser einzelner Familien erscheint nicht sinnvoll, da

  • eine Bevorzugung Einzelner das soziale Gefüge im Dorf gefährdet.  
  • der Untergrund durch die Beben stark gelockert und statisch nicht belastbar ist.
  • ein Wiederaufbau der Häuser in der Monsunzeit äußerst problematisch ist.
  • die Bauzeit viel zu lange dauert (Wintereinbruch !!).

Wegen hoher Kosten scheidet auch die Entsendung von Fachkräften aus westli-chen Ländern aus.

Es gibt noch so viel zu tun in dem Land, dessen Bewohner für ihre grenzenlose Hilfsbereitschaft bekannt sind.

Bild 20150721 28 Buddhas Eyes broken

Vielen Dank an dieser Stelle all denjenigen, die dieses Projekt bereits großzügig unterstützt haben. Wenn auch Sie unser Projekt unterstützen wollen, bitten wir Sie um Spenden an folgendes Konto:

  • „Goethe hilft mit e.V.“
  • IBAN: DE91 5095 0068 0002 1073 81
  • BIC: HELADEF1BEN
  • Stichwort: Erdbeben Nepal

(Für eine Spendenquittung bitte Namen und Adresse angeben.)

Simone Vondung und Dietmar Heimann für „Goethe hilft mit e.V.“ Gerne beantworten wir Ihre Fragen auch per mail.

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