Verein „Goethe hilft“: Hilfsprojekt für kleines Dorf in Nepal angelaufen / Erlös eines Benefizkonzertes

Unterkünfte durch Spenden finanziert

Seit der verheerenden Erdbebenkatastrophe, die am 25. April große Gebiete in Nepal zerstört und fast 10 000 Menschen das Leben gekostet hat, sind über große Hilfsorganisationen Spendengelder in beeindruckender Höhe ins Land geflossen, die mitgeholfen haben, das Leben in den großen Städten schnell wieder weitgehend zu normalisieren.

Aber Nepal besteht zum Großteil aus kleinen Dörfern in zum Teil schwer zugänglichem Berggelände, die meisten ohne Straßenanbindung. Hier können die großen Organisationen kaum helfen, zu unübersichtlich ist noch immer die Gesamtlage. Es gibt nur wenige und nur dürftig ausgearbeitete Karten, Ortsnamen sind oft nicht eindeutig.

So berichtete der BA bereits über das von Dr. Isabelle Buschulte geleitete Projekt "Friends of Chepel", im Rahmen dessen einem kleinen Dorf im Solukhumbu-District Hilfe zuteil geworden ist.

Zur gleichen Zeit wurde ein weiteres Hilfsprojekt etabliert, das von dem Verein zur humanitären Hilfe "Goethe hilft mit", der an das Goethe-Gymnasium in Bensheim angeschlossen ist, gefördert und geleitet wird. Zwei Mitglieder dieses Vereins, Simone Vondung, Lehrerin am Goethe-Gymnasium und ihr Mann Dietmar Heimann, unternehmen seit Jahren Reisen nach Nepal.

So erfuhren sie, dass das Dorf Fikuri im District Nuwakot, etwas südlich der beliebten Trekking-Region Langtang gelegen, von dem Erdbeben schwer getroffen wurde. Kein Haus ist unbeschädigt, viele Gebäude sind dem Erdboden gleichgemacht. "Wir haben dem Verein vorgeschlagen, eine Art Patenschaft für das Dorf, in dem bis dahin noch keine staatliche Hilfe angekommen war, aufzubauen und die Mittel zum Aufbau von temporären Unterkünften zu verwenden", sagt Simone Vondung.

Der Erlös eines Benefizkonzertes zugunsten der Erdbebenopfer am Goethe-Gymnasium ermöglichte aufgrund der zahlreichen Spenden die Umsetzung ihrer Pläne.

"Wir haben Ideen entwickelt, wie man mit minimalen Finanzen und unter Einsatz von lokal verfügbaren oder in den Schreinerei- bzw. Schlosserbetrieben in der Umgebung des Dorfes herstellbaren Baustoffen monsunfeste temporäre Unterkünfte errichten kann", erklärt Dietmar Heimann. Diese Ideen wurden zu einem Gesamtkonzept nebst Material-Einkaufsliste verdichtet, die auch Lehrmittel und Stifte für die Kinder der dörflichen Schule beinhaltete. Er schwärmt: "Das Netzwerk ist gebildet, die Mittel stehen bereit, die Dorfbewohner sind tatendurstig, es konnte nun richtig losgehen."

Die Einkäufe in Kathmandu waren schnell getätigt, eine preiswerte Transportmöglichkeit bis zum Ende der Straße gefunden und ausreichend Helfer aus dem Dorf rekrutiert, um die insgesamt fast 200 Kilo Material und Hilfsgüter in das Dorf zu bringen.

"Am nächsten Tag erreichen uns rührende Bilder von den Schulkindern, die ihre Unterrichtsmaterialien in Empfang genommen und sofort eine Dankestafel für uns erstellt haben", berichtet Simone Vondung.

Nach diesem sichtbaren Zeichen des Neubeginns begannen die Konstruktionsarbeiten für zunächst zwei Häuser als Pilotprojekt. Je nach verfügbaren Mitteln sollen diese Arbeiten dann für noch insgesamt zehn Familien fortgesetzt, sowie das Behelfs-Schulgebäude optimiert werden. red

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 26.06.2015

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit unseren Datenschutzbestimmungen und mit der Nutzung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen Ok