Bilder, die nicht aus dem Kopf gehen

Unfallpräventionsprojekt „Schleuderdrama“ am Goethe-Gymnasium

Schleuderdrama 2016Fetzige Rockmusik und gut gelauntes Geplapper verstummen schlagartig. Die emotionale Filmpräsentation „Schleuderdrama“, die schonungslose Aufnahmen von Verkehrsunfällen mit jungen Fahrern zeigt, fesselt das gleichaltrige Publikum in der Mensa des Goethe-Gymnasiums. 320 Oberstufenschüler lauschen den sehr persönlichen Erlebnissen von Polizisten, Feuerwehrleuten und Seelsorgern aus dem Kreis, einmal unterbrochen von einer Gedenkminute für die Verkehrstoten. Das gemeinsame Projekt von Polizei, Rettungskräften und Notfallsorge will auf diese Weise vorbeugend wirken und für mehr Sicherheit auf den Straßen im Kreis sorgen.

Für Bürgermeister Rolf Richter ist es deswegen auch keine Begrüßung wie jede andere. Der ehemalige Strafrichter wendet sich mit einer Mahnung an sein junges Publikum: „Fahrlässige Tötung ist eines der schlimmsten Urteile überhaupt. Der Vorwurf bleibt: Wenn du nur nicht betrunken gefahren wärst!“ Weniger um den Unfall selbst als um das Drama danach geht es auch Polizeidirektor Jörg Kasper: das viele Leid nämlich bei den Opfern und ihren Familien, aber auch bei den Verursachern, die mit den persönlichen und finanziellen Konsequenzen leben müssten.

Wie stark die Helfer am Unfallort betroffen sind, erfahren die Schüler aus erster Hand von Rettungssanitätern, Feuerwehrleuten und Notfallseelsorgern des Kreises Bergstraße: Sie erzählen von der jungen Frau, die beim Herausschneiden aus dem Fahrzeug im Arm gehalten wird und verstirbt, dem Bekannten, dessen Fahrzeug in Flammen steht, die Nachricht vom Unfalltod einer Mutter, die überbracht werden muss – das sind alles Erlebnisse, die die Helfer ihr Leben lang nicht loslassen. Nicht zu vergessen ist auch der steinige Weg der Rehabilitation von Unfallopfern und die schwere Aufgabe der Pflegedienste, die Heimleiter Joerg Meinhof am Beispiel einer Wachkoma-Patientin beleuchtet.

1000 Verletzte im Kreis 2015

Wie ernst die Lage auf den Straßen im Kreis ist, macht Projektgruppenleiter Peter Hoffmann anhand aktueller Zahlen deutlich: Etwa 4000 Unfälle passierten jährlich, 1000 Verletzte und 14 Unfalltote waren es 2015. Statistisch gesehen werde alle zwei Stunden ein Mensch auf der Straße verletzt. Gemeinsam mit Moderatorin Jessica Hoffmann erinnert er an die Einhaltung selbstverständlicher Straßenverkehrsregeln wie Beachten von Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahren ohne Alkohol, Anschnallen und Handyverbot am Steuer, die immer wieder leichtfertig missachtet werden mit bisweilen schlimmen Folgen.

Das halbtägige Präventionsprojekt wolle den jungen Verkehrsteilnehmern keine Angst machen, betont Jörg Kasper. In vierzehn verschiedenen Workshops im Anschluss an den Film arbeiteten die Schüler das Gesehene emotional und rechtlich auf. „Schleuderdrama“ sei zwar eine unbequeme Veranstaltung für Schüler, aber eine extrem wichtige, meint Katharina Holland, die das Projekt zum vierten Mal ans Goethe-Gymnasium geholt hat, und pflichtet Kasper bei: „Wenn dadurch nur ein Unfall weniger geschieht, hat diese Veranstaltung einen Sinn gehabt.“ (Ritter)