Lions-Stipendium: Zwei Goethe-Abiturienten erleben in Asien die globalisierte Arbeitswelt

Shanghai und Korea locken

Besser hätte es sich für Nicklas Kilian und Yannick Nüdling nicht fügen können. Für das Lions-Stipendium Globalisierte Arbeitswelt ausgewählt zu werden, empfinden Bensheimer Abiturienten schon immer wie einen kleinen Lottogewinn. Diesmal geht auch noch mit den Zielen ein Traum in Erfüllung.

Der Goethe-Gymnasiast Nüdling darf sich im Sommer auf ein vierwöchiges Praktikum bei Sirona in China freuen. Sein Mitschüler Nicklas Kilian verbringt seinen Auslandsaufenthalt bei TE Connectivity in Südkorea. Der 50-Millionen-Einwohner-Staat gehört zu den aufstrebenden Industrieländern im ostasiatischen Raum. Fernseher und Smartphones von Samsung sind längst Exportschlager. Der Automobilhersteller Hyundai hat seine Absatzzahlen binnen zehn Jahren verdoppelt. Auch Konkurrent Kia fährt regelmäßig Rekordwerte ein. Von der rasanten Fahrt profitieren auch die Zulieferer von hochwertigen technischen Komponenten - und damit auch TE Connectivity als Innovationsschmiede und Weltmarktführer für elektrische und elektronische Steckverbindungen und Komponenten.

Nicht minder wichtig ist für den Dentalhersteller Sirona der chinesische Markt, der von gleich mehreren Standorten aus entwickelt wird. Ein Standbein in der größten Industriestadt des Milliardenreichs, Shanghai, darf da nicht fehlen. 15 Millionen Menschen leben in der Boom-Stadt selbst, weitere acht im Umkreis von 50 Kilometern. Shanghai ist Kultur- und Bildungszentrum und eine der modernsten und reichsten Städte der Welt.

So unterschiedlich die Größenordnungen und die Kulturen: Beide Länder profitieren in rasantem Tempo und mit Riesenschritten von der Globalisierung. Dementsprechend unvergesslich und prägend werden die Erfahrungen sein, die von den beiden Stipendiaten in zwei Berichten in dieser Zeitung und bei einer Informationsveranstaltung im kommenden Herbst weitergeben werden.

Die Multiplikatorenrolle gehört zum Gesamtpaket, das vor dem Auslandsaufenthalt ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum am Standort Bensheim beinhaltet. Auch diesmal wieder hatte die Jury aus Vertretern des Lions-Clubs Bergstraße-Bensheim und Mitarbeitern der kooperierenden Unternehmen die Qual der Wahl unter elf Bewerbern von vier Bensheimer Gymnasien. Neben den schulischen Leistungen zählten gesellschaftliches Engagement, Allgemeinwissen, Urteilsfähigkeit und Schlagfertigkeit in Einzelinterviews sowie Argumentationsstärke in einem einstündigen Gruppengespräch. Denn auch dies wird von den Stipendiaten erwartet: dass sie in der Lage sind, ihre Generation und die Themen, die sie bewegen, im Ausland überzeugend zu vertreten.

Dementsprechend breit war die Diskussion angelegt - von der Flüchtlingsfrage bis zum Unwort des Jahres, von der Bertelsmann-Jugendstudie bis zur vorzeitigen Haftentlassung des Steuersünders Uli Hoeneß, vom Umgang mit der AfD bis zu Fluch und Segen der sozialen Medien.

Am Ende gaben Kleinigkeiten den Ausschlag. Dr. Sepp Glatzl, der beim Lions-Club für das vor 13 Jahren ins Leben gerufene Stipendium verantwortlich zeichnet, sah denn auch alle elf Bewerber als Gewinner. Dass sie überhaupt so weit gekommen waren, dürfen sie ebenso als Wert an sich verbuchen wie die Rückmeldungen, die sie von dem Auswahlprozess mitgenommen haben. Bei künftigen Bewerbungen kann dies nur von Nutzen sein. sl

Samstag, 06.02.2016

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