Petra Rutz, Sekretärin am Bensheimer Goethe-Gymnasium, sucht einen Knochenmarkspender / Typisierungsaktion am 28. Februar in Hemsbach

Leukämie – Spender dringend gesucht

Eine Reise nach Thailand zum 30. Hochzeitstag - damit wollte Dieter Rutz seine Frau überraschen. Doch nach den Weihnachtstagen kam alles ganz anders. Blaue Flecken am Arm veranlassten Petra Rutz, einen Arzt aufzusuchen. Ein Blutbild ergab einen auffälligen Befund, und noch am gleichen Tag diagnostizierte das Labor der Uniklinik Heidelberg akute Leukämie in fortgeschrittenem Stadium.

Sofort wurde mit einer Chemotherapie begonnen. Tags darauf informierte das Ehepaar die Kinder: "Zunächst waren wir natürlich geschockt, aber dann haben wir beschlossen, nicht nur zuzuschauen, sondern selbst etwas zu tun", sagen Nicole Weber und Kevin Rutz. In Zusammenarbeit mit der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) initiierten sie eine Typisierungsaktion, die am Sonntag, 28. Februar, von 11 bis 15 Uhr in der Hans-Michel-Halle in Hemsbach stattfinden wird.

Die Chemotherapie schlägt bei Petra Rutz nur zögerlich an - jede Blutung kann tödlich sein, so dass eine Knochenmarkspende ihre einzige Chance bedeutet. Doch bisher hat sich noch kein geeigneter Spender gefunden. Für die 51-Jährige, vor kurzem erst Oma geworden, zählt inzwischen jeder Tag. Ihr und ihrer Familie bleibt nur noch die Hoffnung, möglichst schnell einen passenden Spender zu finden.

Engelhardt als Schirmherr

Grundsätzlich kann sich jeder zwischen 17 und 55 Jahren typisieren lassen. Für den Betroffenen ist das kostenlos. "Wir sind deshalb sehr dankbar für jede Unterstützung, die wir bekommen können und bisher auch erfahren haben", sagt Kevin Rutz. Zahlreiche Hemsbacher Vereine, Initiativen und Firmen, Kirchengemeinden, Freunde und Bekannte helfen mit, die Typisierungsaktion bekanntzumachen und finanziell zu unterstützen.

Auch Bürgermeister Jürgen Kirchner reagierte sofort: "Es ist selbstverständlich, in einer solchen Notsituation, die uns alle treffen kann, zu helfen", ruft er dazu auf, an der Typisierung teilzunehmen. Immerhin erkrankt in Deutschland alle 45 Minuten ein Mensch an Leukämie. Der Rathauschef sorgte unter anderem dafür, dass die Hans-Michel-Halle schnell zur Verfügung steht und fungiert als Schirmherr der Aktion - ebenso wie Christian Engelhardt, Landrat des Kreises Bergstraße und Arbeitgeber der Erkrankten. Petra Rutz ist als Verwaltungsangestellte und im Sekretariat des Goethe-Gymnasiums Bensheim beim Kreis beschäftigt. "Wir brauchen viel mehr Spender, um diese Krankheit erfolgreich bekämpfen zu können", appelliert er. Sabrina Krüger, Teamleiterin Spenderneugewinnung bei der DKMS, hat Zahlen parat: Sechs Millionen potenzielle Spender sind in Deutschland registriert. In Hemsbach sind es 537 - fünf haben bereits Stammzellen gespendet.

Für die Typisierungsaktion am 28. Februar konnte Familie Rutz auch schon Ärzte für die Blutabnahme und Helfer für die Datenerfassung gewinnen. Bei alledem hat sich Familie Rutz das positive Denken bewahrt. Nicole Weber: "Es wäre ein wunderbares Geschenk, wenn sich möglichst viele Menschen als Stammzellenspender registrieren und typisieren lassen und vielleicht sogar der passende darunter ist. Es kostet nur ein bisschen Zeit, Leben zu retten."

Wie funktioniert eine Typisierung?

Schritt eins: Ein kleiner Pieks sorgt für ein paar Tropfen Blut, das in einem Labor analysiert wird.

Schritt zwei: Drei Wochen kann es dauern, bis das Ergebnis feststeht. Abgeglichen werden HLA-Gewebemerkmale: genetische Strukturen auf Körperzellen, die dem Immunsystem signalisieren, ob es sich um eigenes oder fremdes Gewebe handelt.

Schritt drei: Stimmen die Merkmale von Spender und Patient überein, findet eine weitere ausführlichere Untersuchungen statt, anhand deren Ergebnisse entschieden wird, ob der Spender zu 100 Prozent passt.

Schritt vier: Die Spende kann auf zwei Arten erfolgen: entweder durch eine Stammzellentnahme aus dem Blut - mittlerweile die gebräuchlichere Methode - oder indem unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Becken entnommen wird. Die Risiken seien nicht größer als bei anderen Operationen unter Vollnarkose.

Schritt fünf: Die Gewebemerkmale des potenziellen Spenders werden in der Deutsche Knochenmarkspenderdatei gespeichert und stehen damit anonym für die Suche von Patienten auf der ganzen Welt zur Verfügung.

red

Freitag, 12.02.2016