Netzwerk Talente: Bildungsinitiative begrüßte Alexander Lorz in der neuen MINT-Garage

Kultusminister Lorz von Robotern begeistert

2017 Besuch Kultusminister Lorz MINT GarageNeugierig beugt sich der hessische Kultusminister über die Wettkampf-Arena. Alexander Lorz (CDU) ist von den Robotern sichtlich begeistert. Er sei zwar Jurist, doch auch ein Fan von komplexer Technik und zukunftsweisenden Ideen.

Damit war der Minister in der Bensheimer MINT-Garage genau richtig. Auf Einladung der Initiative Netzwerk Talente besuchte Lorz am Donnerstagabend die neue Einrichtung auf dem Gelände des Goethe-Gymnasiums, wo Schüler aus verschiedenen Schulen an naturwissenschaftlichen Projekten arbeiten - auch die Robotik AG des gastgebenden Gymnasiums: Das Team RobotX hat gerade im Rahmen des Europa-Halbfinales der First Lego League den ersten Platz in der Kategorie Robot-Design gewonnen. Am Ende landeten die Tüftler auf dem achten Platz. "Da geht noch mehr", sagt Coach Alina Zorn (18), die das Team betreut.

Es sind junge Leute wie sie, die in der MINT-Garage für Leben sorgen sollen - und dies fleißig bereits tun. "Wir sind fast jeden zweiten Tag hier, auch in den Weihnachtsferien", so Alina Zorn im Gespräch mit dem Minister. Sie und ihre Kollegen schätzen die Möglichkeit, außerhalb des Unterrichts und unabhängig von den pädagogischen "Öffnungszeiten" der Schule in Ruhe an ihren Projekten arbeiten zu können. Schulleiter Klaus Holl lobt die Garage als niederschwelliges Angebot für interessierte und leistungsstarke Schüler mit einem Faible für Naturwissenschaften. "Wir brauchen helle Köpfe, die sich begeistern können."

Die Türen stehen allen offen

Sandro Aust ist so einer. Der Elfjährige ist der erste Schüler des AKG, der das offene Angebot nutzt. Weitere hat er bereits infiziert. Sandro ist ein Informatik-Freak. Mit der visuellen Programmiersprache Scatch hat er einen Vokabeltrainer und ein Spiel entworfen. Ein paar Semester weiter sind Philipp Aßmann und Sebastian Binninger von der benachbarten Heinrich-Metzendorf-Schule, die eng mit der Garage verzahnt ist. In der Photovoltaik AG haben sich die beiden angehenden Elektriker mit der Energieversorgung des Minilabors auseinandergesetzt.

Die MINT-Garage auf dem Goethe-Campus soll sich als außerschulischer Lernort für Schülerinnen aller Bensheimer Schulen weiter entwickeln. Nach der Devise "Selber machen und eigene Ideen umsetzen" sollen Kinder und Jugendliche eigenständig und selbstverantwortlich arbeiten und ausprobieren können.

Bei der Umsetzung eigener Ideen und Projekte werden sie - allein oder im Team - von Lehrern und ehrenamtlichen Coaches begleitet und unterstützt; darunter Mitarbeiter regionaler Unternehmen, Handwerker, Azubis, Studenten, Naturwissenschaftler und Eltern. Genutzt werden kann die MINT-Garage auch für Projekte im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht".

Auf dem Pausenhof des Goethe-Gymnasiums befinden sich zwei Container, die umfangreich ausgestattet sind und durch einen separaten Zugang auch abseits der Unterrichtszeiten genutzt werden kann. Organisator der Garage ist der Lehrer Olaf Harjes.

Das Netzwerk Talente unterstützt die Einrichtung, die darüber hinaus von Unternehmensvertretern als Projektpaten gefördert wird. Seit November ist der Raum mit Leben gefüllt. Neben einer Fahrrad-Werkstatt und der Robotik AG gibt es diverse Forschungsprojekte in den Bereichen Physik, Biologie, Technik und Informatik.

Bereits im November 2015 fand als erster Gedankenaustausch ein Gespräch mit Professor Wilfried Huber von der MINT-Garage Freising statt. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Angebote für Kinder und Jugendliche in Schulen und außerschulischen Lernorten. Der Termin entstand auf Vermittlung von Dr. Thomas Schneidermeier vom Bensheimer Zentrum für Chemie (ZFC).

Aus einer guten Idee ist schnell ein konkretes Projekt geworden. "Wir trafen auf viele offene Türen", so Ursula Massoth, langjährige Rektorin der Auerbacher Schlossbergschule. Gemeinsam mit Dr. Stefanie Dietz vertritt sie das Netzwerk seit Herbst 2014 nach außen. Die Idee zur Bildungsinitiative stammt vom ehemaligen Bürgermeister Thorsten Herrmann. Ziel war und ist die Förderung von jungen Naturwissenschaftlern vom Grundschüler bis zum Berufsstarter. tr

www.netzwerktalente.de

Alle Werkzeuge da

Daniel Schröter und Anne Steiner vom Goethe-Gymnasium befassten sich mit dem Stromverbrauch des Containers und suchten nach der effizientesten Lösung. Das Technik-Team bringt Holzfiguren mit selbst gebauten Getriebesystemen zum Laufen und lässt kleine Rennwagen allein mit Luftantrieb über den Boden schießen. "Es ist toll, dass alle Werkzeuge da sind", sagt Laurin. Es mache ihm einen Riesenspaß, zusammen mit Freunden etwas Neues zu entwickeln.

"Ich wünsche mir in Hessen und ganz Deutschland mehr solcher Orte", so Alexander Lorz in Bensheim. Der Kultusminister lobte das Netzwerk Talente, für das er an der Bergstraße bereits vor über zwei Jahren seine Unterstützung zugesagt hatte, für die praxisnahe Arbeit mit jungen Leuten. Die Verzahnung von Schule und Unternehmen funktioniere in Bensheim außerordentlich gut.

Auch HTV-Chef Edbill Grote (Halbleiter-Test & Vertriebs-GmbH) und Dr. Eric Tjarks, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bensheim schauten den Junioren über die Schulter. Beide sind Paten für verschiedene Projekte und vom Ansatz der MINT-Garage überzeugt. "Man muss Talente früh entdecken", betonte Tjarks. Grote möchte ihnen "mehr Freiraum" bieten. Er hat sich bereits vor über zehn Jahren Schüler ins Unternehmen geholt hat, um sie in anspruchsvolle Projekte einzubinden.

Frische Ideen einbringen

Mit Erfolg: Simeon Blöcher war einer von ihnen. Heute ist er Lehrer am Goethe-Gymnasium und Betreuer der MINT-Garage, die sich früh zum Treffpunkt einer interessierten Klientel entwickelt hat.

Im Dialog mit Lehrern und Schülern will das Netzwerk Talente die Einrichtung nun weiter ausbauen und frische Ideen einbringen. Die Initiative versteht den Kreativraum als Prozess, der mit den Vorstellungen seiner Besucher mitwachsen soll.

Nach einer guten Stunde Talk rollten wieder die Roboter. Auch Landrat Christian Engelhardt lobte den Erfindergeist der Jugendlichen. "Das sind die besten Mitarbeiter, die ein Unternehmen bekommen kann", so der Minister über die geballte wissenschaftliche Leidenschaft, die er in Bensheim zu spüren bekam.

Samstag, 04.02.2017