PiPaPo-Kellertheater: Theater-AG des Goethe-Gymnasiums spielte „Rose und Regen, Schwert und Wunde“

Rasantes Spiel um Liebe und Leidenschaft

Bensheim. Der "Sommernachtstraum" von William Shakespeare begleitet Regisseur Max Reinhardt durch die Theatergeschichte. 1905 hat er den Stoff erstmals inszeniert. Vor allem sein "Wald" wurde zum Markenzeichen hochgelobt und gerühmt.

Auf pompöse Elemente verzichtete die Theater-AG des Goethegymnasiums radikal. Die Inszenierung der von Beat Fäh in "Rose und Regen, Schwert und Wunde" reduzierten Stofffülle wirkte in einer konzentrierten Schlichtheit. Das Premieren-Publikum am Mittwoch im PiPaPo-Kellertheater war begeistert.

Ein Blick auf die leere Bühne

Ein verwunderter Blick auf die leere Bühne: Sollte hier nicht in wenigen Minuten der Startschuss zu einer Reminiszenz an Shakespeares "Sommernachtstraum" fallen, dürfte sich mancher Besucher gefragt haben. Bei geöffnetem Vorhang deuteten lediglich die in der Ecke abgestellten Schuhe darauf hin, dass sich tatsächlich ein verwirrendes Schauspiel um Liebe und Leidenschaft auf der Bühne entwickeln könnte.

Gewissheit gab der Gnom, der plötzlich im Rampenlicht saß und träumerisch-versonnen summte "Wouldn't it be good to be in your shoes just for one day?" Seine vier Mitspieler schlichen fast unmerklich auf die Bühne und stimmten im rhythmischen Mit- und Nacheinander in den Sprechkanon ein. Ein Bild, das sich zum Schluss wiederholte und den Kreis schloss.

Den turbulenten Reigen aus Märchengeschöpfen, Elfen, den Handwerkern und dem Athener Adel hat der Schweizer Autor Beat Fäh gewaltig entschlackt, den Stoff gestrafft und auf eine rasante Komödie reduziert. Das ursprünglich 33-köpfige Personal konzentriert sich nun auf lediglich fünf.

Im Mittelpunkt der Inszenierung stand der Gnom Puck, der wie Liebesgott Eros schalkhaft in das Gefühlsleben der vier Verliebten eingriff. Er führte Hermia, Lysander, Helena und Demetrius wie Marionettenpuppen am Gängelband und fand Gefallen an dem Labyrinth der Emotionen, das er ausgelöst hatte.

Hermia, die Demetrius versprochen ist, ihn aber keinesfalls heiraten will, liebt Lysander. Demetrius seinerseits schmachtet nach Hermia. Während die schöne Helena Demetrius anbetet, der aber nichts von ihr wissen will. Das emotionale Geflecht soll die Flucht in die scheinbare Freiheit auflösen. Die Inszenierung entwickelte eine amüsante Folge: Der eifersüchtige Demetrius blieb dem Liebespaar eng auf den Fersen, den seinerseits die schöne Helena nicht aus den Augen ließ. Der Gnom stellte amüsiert fest: "Verliebte sind wie Narren hitzigen Geistes und schwärmerischen Sinnes."

Puck ließ sich die Chance nicht entgehen, sich in die Liebesangelegenheiten einzumischen, Verwicklungen und Verdrehungen anzustiften und die nichtsahnenden Teilnehmer auf die emotionale Achterbahn zu schicken.

Er infizierte die beiden Jünglinge mit dem Liebesstaub. Helena war nun für beide Männer das Objekt der Begierde, während Hermia verwirrt außen vor stand. Es wurde nun unter einem anderen Vorzeichen geliebt und gelitten, gestritten und gekämpft, bevor Puck das Geflecht wieder entwirrte.

Die Inszenierung unter der Regie von Dr. Jürgen Rehm reduzierte radikal das visuelle Beiwerk. Und tat gut daran. So schwebte der Stoff der Komödie über die Anziehungskraft der Geschlechter und die emotionalen Tücken unabhängig von Zeit und Ort über das Geschehen. Die enorme Bühnenpräsenz der Akteure, die sich bis in den Saal ausdehnte, füllte den damit gewonnenen Freiraum.

Eine wahre Meisterleistung

Die von Erich Fried übersetzten Verse sind in einer reichen poetischen Sprache verfasst. Sie führen den Zuschauer auf einen Spaziergang durch ein lyrisches Kunstwerk. Neben der Vielzahl an Stilmitteln fügt sich zeitgenössisches Vokabular bruchlos in die geschliffene Sprach-Melodie ein.

Gerade in dem "unverbauten" Raum entfaltete sich die Wirkung. Die Akteure lieferten auch in dieser Hinsicht eine wahre Meisterleistung ab.

Es spielten: Ramon Henrici, Jonathan Rascher, Laura Hoffmann, Paula Patzelt, Florian Schmanke. Technik: Carlo Moldenhauer vom PiPaPo; Regie: Dr. Jürgen Rehm. moni

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 03.04.2014

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit unseren Datenschutzbestimmungen und mit der Nutzung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen Ok