PinkMuffin@BerryBlue

Der Jugendbuchautor Joachim Friedrich bringt Sechstklässler zum Lachen

lesung joachim friedrich 2lesung joachim friedrich 3„Kann sich jemand von euch vorstellen, selbst einmal ein Buch zu schreiben?“ Mit dieser Frage eröffnete der Kinder- und Jugendbuchautor Joachim Friedrich am Dienstag, dem 25.9.2013 vor etwa 150 Sechstklässlern des Goethe-Gymnasiums seine Lesung in der Mensa. Er selbst konnte es sich mit elf, zwölf Jahren auch noch nicht vorstellen, zumal seine Eltern bei Gesprächen mit den Deutschlehrern immer zu hören bekommen hatten: „Seine Leistungen könnten besser sein!“

Joachim Friedrich trifft den richtigen Ton. Er sucht die Nähe zu den Schülern, verzichtet auf die erhöhte Bühne, nimmt die Schüler ernst, bleibt dabei witzig, gestattet ihnen unzählige Fragen: Kann man mit Ihrem Beruf reich werden? Sind Sie mit anderen Schriftstellern befreundet? Wie alt sind Sie? Welches ist Ihr Lieblingsbuch?

„Momo“ von Michael Ende sei nicht nur sein Lieblingsbuch, sondern habe ihn ebenso wie seine Mutter zum Schreiben gebracht. Zuerst habe er versucht, Michael Ende zu kopieren, sei damit jedoch kläglich gescheitert. Als er damit begann, seine eigenen Ideen zu verwirklichen, stellte sich der erste Erfolg ein.

Bevor er aus dem Roman „PinkMuffin@BerryBlue - Betreff: IrrLäufer“ vorliest, erzählt der Autor, wie dieser E-mail-Roman zustande kam. Auf einer Lesereise lernt der gebürtige Bottroper die Bremer Jugendbuchautorin Hortense Ulrich kennen. Sie stellen schnell fest, dass sie nicht nur einen ähnlichen Humor, sondern auch eine ähnliche Art zu schreiben haben.

Sie haben nicht die Zeit, um sich zu treffen und gleichzeitig an einem Roman zu schreiben. So entsteht die Idee für einen E-mail-Roman. Beide denken sich unabhängig voneinander eine Person aus. Die einzigen Abmachungen im Vorfeld sind, dass diese Personen gleichaltrig sind und möglichst nah beieinander wohnen.

Joachim Friedrich beginnt. Sein Berry Blue schreibt nun die erste „durchgeknallte“ E-mail dieses Experiments. Aber anstatt bei seinem Bekannten „PunkMuffin“ landet die Nachricht bei „PinkMuffin“. Hortense Ulrich alias MAX antwortet auf diese E-mail: „Sag mal, spinnst du?“ Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Allerdings: Das Experiment, zu zweit einen Roman zu schreiben, indem beide Seiten nicht vorher wissen, wohin die Reise genau geht, misslingt laut Friedrich zunächst. Es gab mit der Zeit zu viele Personen und die Handlung wurde immer verwirrender. Also wurden alle E-mails überarbeitet und folgende Fragen geklärt: Was geschieht mit den zwei Hauptpersonen? Sollen sie sich treffen? Welche Art von Geschichte soll der Roman erzählen? In welchen Welten leben die Personen?

lesung joachim friedrich 1MAX kommt aus einer steinreichen Familie, der Vater besitzt eine Konservenfabrik, die Mutter war einst ein Fotomodell und die Großmutter entstammt einer Adelsfamilie. MAX ist jedoch etwas gegen den Strich gebürstet, ist spontan und macht oft Sachen, ohne darüber nachzudenken.

Berry heißt mit Nachname Kranz. Seine Eltern betreiben das „Café Kränzchen“: „Jeder, der da reinkommt und unter 50 ist, senkt den Altersdurchschnitt erdrutschartig“, flachst Berry über das Café seiner Eltern. Friedrich weiß, wovon er erzählt. Er heiratete in eine Konditorenfamilie ein. „Es ging immer nur um die Stammgäste“, weiß er zu berichten. So wie auch zu Beginn des Romans.

Das Café ist Ausgangspunkt für eine witzige und ziemlich schräge Kriminalgeschichte. Detektiv Kuhlhardt, sein Basset namens Lipinski – laut Kuhlhardt die Wiedergeburt seines Partners – und die Aldi-süchtige Sekretärin Milfina vervollständigen das Tableau.

Friedrich liest die erste Seite der Geschichte, er versetzt sich in die Personen, er rezitiert ganze Passagen auswendig, verändert seine Stimme, seinen Tonfall und er trifft als Berry und MAX den Nerv der Jugendlichen. Seine Zuhörer in der Mensa sind begeistert. Sie lachen, sie klatschen, sie hören achtzig Minuten konzentriert zu.

Zum Abschluss liest Friedrich noch aus dem zweiten Band der „PinkMuffin“-Reihe vor, Untertitel: Liebeswahn. Alle seien diesmal verliebt, auch Hund Lipinski verliebt sich … in einen Mops, der diesen wiederum mit einem Schwein betrügt… Den Schülern der sechsten Klassen gefällt’s.

Auch wenn „PinkMuffin@BerryBlue - Betreff: IrrLäufer“ in einem rosa-hellblauen Einband daherkommt, mit dem die beiden Autoren zunächst nicht einverstanden waren. Es handelt sich nicht um eine „Mädchen-Geschichte“. Nach Einwänden der Autoren beim Verlag erklärte man diesen, es handle sich bei der Farbgebung um den Sechsfarbdruck, der es ermögliche, dass die Farbe bei späteren Drucken immer gleich sei. Deshalb sei der Umschlag eben eher rosa als pink ausgefallen.

Übrigens: Ermöglicht wurde diese lustige Lesung am Goethe-Gymnasium durch den Förderverein des Goethe-Gymnasiums, wofür an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich Dank gesagt sei.