Fünftklässler stellten ihre Lieblings-Lektüre vor / Franz Wissen und Marieke Brüns als Sieger

Die schönsten Lesekisten

Bensheim. Auch Jungen scheinen - entgegen der landläufigen Meinung - gern in die spannenden Welten zwischen zwei Buchdeckeln einzutauchen. Den Eindruck vermittelte ein von der Fachschaft Deutsch initiierter Wettbewerb der Sextaner am Goethe-Gymnasium. Dort waren die Jungs sogar in der Überzahl. 14 Finalisten, die ihre Lieblingslektüre vorstellten und die Inhalte mit markanten und aussagekräftigen Objekten optisch untermalten, stellten sich am Mittwoch der Endausscheidung um die "schönste Lesekiste".

In der Schulbibliothek herrschte knisternde Spannung. Bisher hatten die Kandidaten ihren Buchfavoriten nur im eigenen Klassenverband präsentieren müssen. Die Klassenkameraden trafen die Vorentscheidung und schickten die besten Drei in den Endlauf. Die Teilnehmer stellten sich nicht nur der Konkurrenz aus den fünf Klassen, sondern auch einer wahrlich kritischen Jury.

Neben Schulleiter Jürgen Mescher, seinem Stellvertreter Klaus Holl und Spanisch-Lehrerin Cecilia Kecskemethy gaben Bastian und Svenja von der Schülervertretung und Marvin und Viktoria von der Lese-AG ihr Votum ab. Dem Gremium fiel die Entscheidung sichtlich schwer. Es setzte dem Kopf-an-Kopf-Rennen ein diplomatisches Ende und vergab zwei erste Plätze: Franz Wissen und Marieke Brüns wurden mit Urkunden und einem Buchgutschein zu Siegern gekürt. Zweiter wurde Jannis Winter und dritte Annelie Rückert.

"Silberflügel" und "Rote Zora"

Die Vier hatten sich sehr unterschiedliche Werke aus der Jugendliteratur vorgeknöpft und standen damit den kritischen Fragen der Juroren Rede und Antwort. Franz Wissen hatte den Roman "Silberflügel" von Kenneth Oppel gelesen, der den fiktiven Überlebenskampf einer Fledermauskolonie gegen eine Horde von Ratten und Eulen, gegen kannibalistische Dschungelfledermäuse und gegen Unwetter verwebt. Die Gruppe gewinnt die Oberhand dank ihres "Schwächlings" in der Runde.

Franz Wissen hatte aus schwarz angemalten Erdnüssen und Filz eine Vielzahl an Fledermäusen gebastelt, die an der Decke seines aufgeklappten Schuhkartons zusammengekauert hingen und argwöhnisch auf die unten platzierten Tiere schauten.

Marieke Brüns visualisierte den Werdegang im Roman "Die rote Zora" mit dem Aufbau von vier Stationen: Man blickte hinter die dicken Mauern der alten Burg, die die Heldin zusammen mit ihren Gefährten bewohnte, bis hin zum kleinen Fischerhaus mit dem weitläufigen Meer und dem Strand, auf dem sogar viele kleine Muscheln lagen. Marieke Brüns kennt selbst die Details im Buch, das sie nicht nur einmal gelesen hat.

Die beiden Sieger überzeugten die Jury nicht nur aufgrund ihrer Installation. Sie kannten sich zudem in den ausgesuchten Romanen bestens aus, wussten Inhalte zu strukturieren und zu erklären.

Ein so gestalteter Wettbewerb um Literatur und Lesestoff hatte am Goethe-Gymnasium Premiere. Die Idee entstand aus einer Lese-AG der Fünft- und Sechstklässler heraus, die einen zusätzlichen Anreiz schaffen wollte, in Literatur einzusteigen. Sie entwarf das Konzept für den Wettbewerb und zog die organisatorischen Fäden.

Viktoria, die bereits Sechstklässlerin ist, erinnert sich noch gut, dass sie vor einem Jahr im Rahmen des Deutschunterrichts mit viel Mühe eine Lesekiste baute, die aber nach der Vorstellung in der Klasse achtlos verschwand. Mit dem Wettbewerb stellte man ein Forum auf, das weitaus mehr Resonanz auf die Arbeit bietet. "Es ist interessant, zu sehen, wie sich die Fünftklässler mit den Büchern auseinandergesetzt haben", kommentierte sie ihre Rolle als Jurorin.

Auch die Schülervertretung machte mit. Bastian und Svenja bewerteten ebenfalls die Werke der Mitschüler. "Wir sind die Ansprechpartner für alle - aus der Unter-, Mittel- und Oberstufe und unterstützen gern die schulinternen Veranstaltungen der Jüngsten." moni

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 31.01.2014

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich mit unseren Datenschutzbestimmungen und mit der Nutzung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen Ok