Französischer Theaterabend am Goethe

« Le Dieu du carnage » – Der Gott des Gemetzels

dieu du carnage (1)Freunde des französischen Theaters kamen hier voll auf ihre Kosten: Das Heidelberger „Théâtre de la petite boîte" spielte auf der Bühne des Goethe-Gymnasiums mit „Dieu du carnage" von Yasmina Reza eines der bekanntesten Theaterstücke der Gegenwart, und das in Originalsprache.

Zwei Ehepaare treffen sich, um den Streit zwischen ihren Söhnen zu regeln, bei dem einer vom anderen verletzt wurde. Anfangs noch sehr wohlwollend und entgegenkommend, wollen sie gemeinsam ein Beispiel für Höflichkeit, Toleranz und zivilisierten Umgang miteinander geben. Doch die Situation entgleist nach und nach, bis alle ihre Masken fallen lassen und sich gegenseitig zerfleischen.

En détail: Véronique und Michel Houillé empfangen in ihrer Wohnung das Ehepaar Annette und Alain Reille. Der elfjährige Ferdinand Reille hat dem gleichaltrigen Bruno Houillé mit einem Stock zwei Schneidezähne herausgeschlagen. Die Eltern sind zusammengekommen, um zu klären, wie nun vorzugehen sei. Die sozialkritische Véronique (Nawel Herbrechter) arbeitet an einem Buch über den Konflikt im Westen Sudans. Ihr Mann Michel (Stéphane Herbrechter) betreibt einen Eisenwarengroßhandel. Annette Reille (Pia Keßler) ist Vermögensberaterin und ihr Mann Alain (Bruno Kuhn) ein erfolgreicher Jurist, vielbeschäftigt und immer am Handy.

Das Gespräch beginnt harmlos, man spricht über Tulpen und Kuchenrezepte. Doch langsam ändert sich der Ton, die Stimmung wird gereizter. Vom Heidelberger Ensemble überzeugend dargestellt, verlieren beide Paare das eigentliche Anliegen der Zusammenkunft aus den Augen, giften sich gegenseitig und untereinander an und wechseln je nach Bedarf die Bündnisse: Männer gegen Frauen oder die Ehepartner über Kreuz. Alkohol sorgt für zusätzliche Eskalation, so dass das Treffen im Desaster endet: zerrupfte Blumen, zerstörtes Handy, auf dem Boden verstreute Kosmetikartikel ...

Die Theatergruppe „Théâtre de la petite boîte" unter der Regie von Antje Reinhard bot dem frankophilen Publikum anderthalb Stunden lang in französischer Sprache einen vergnüglich-bissigen Zeitvertreib, bei dem einem auch schon einmal das Lachen im Hals stecken bleiben konnte. So zum Beispiel, wenn der für einen Pharmakonzern tätige Alain die kranke Mutter des Gastgebers überzeugt, trotz gravierender Nebenwirkungen bei dem Medikament seines Konzerns zu bleiben. Am Ende nutzten die Zuschauer, betroffen vom Theatergeschehen, die Gelegenheit, mit den Schauspielern ins Gespräch zu kommen. Natürlich alles auf Französisch, was den 150 Zuschauern, zumeist Schülern aus Bensheim, Heppenheim, Lampertheim und insbesondere des Lycée Camille Sée, der Partnerschule des Goethe-Gymnasiums aus Colmar, nicht schwer fiel.

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