Rund 400 Gäste beim Benefiz-Schülerkonzert im Goethe-Gymnasium

Geballte Big-Band-Power hoch vier

Bensheim. Experiment gelungen, Patient swingt: Zum ersten Mal hat der Rotary-Club Bensheim-Heppenheim seine traditionelle Jazz-Matinee als Big-Band-Benefizkonzert aufgezogen. Vier musikalische Großformate aus vier Schulen, die im Pausenhof des Goethe-Gymnasiums knapp drei Stunden lang einen saftigen Sound geboten haben. Rund 400 Gäste hörten zu und applaudierten den jungen Instrumentalisten, die am Sonntag auf der Bühne standen.

Trotz der musikalischen Vielfalt stand bei dieser kurzweiligen Premiere ein guter Zweck im Vordergrund: Der Erlös der gelungenen Veranstaltung geht an die Bensheimer Seebergschule. Wie der frisch eingeführte Rotary-Präsident Reinald Hoben erklärt, soll das Geld in die musikalische Früherziehung der 160 Schüler fließen.

In der Nachbarschaft des Goethe-Gymnasiums steht die einzige Schule im Kreis Bergstraße mit einem Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung". Der Förderverein will mit der Spende neue Instrumente anschaffen. Das inoffizielle Motto am Sonntag lautete "Schüler spielen für Schüler".

Die musikalischen "Waffen" der vier Big Bands waren jedenfalls bestens geölt. Und man darf es durchaus dem geballten Blech der vierfachen Horn-Section zuschreiben, dass die Regenwolken einigermaßen manierlich blieben. Nur zwei größere Schauer, allerdings von kurzer Dauer, haben das Publikum unter die Schirme gescheucht. Der Clubvorstand wurde für seinen Schneid belohnt, das Konzert nicht wie eigentlich vorgesehen in die gegenüberliegende Mensa zu verlegen.

"Wir haben uns erst wenige Stunden vor Beginn die Köpfe zerbrochen und uns für ein Open Air entscheiden", erklärte Hobens Vorgänger, Past President Dr. Karl-Heinz Annecke. Im Freien ist die Atmosphäre einfach besser und für einen jazzigen Frühschoppen geeigneter als in der überdachten Variante. Das fanden wohl auch die Leiter der beteiligten Schulen, die alle vier mit dabei waren.

Club zählt 50 Mitglieder

Die Sonntagskonzerte der Rotarier sind beinahe so alt wie der 1989 gegründete Club Bensheim-Heppenheim, der aktuell 50 Mitglieder zählt und mit dem Big-Band-Projekt ein neues Kapitel aufschlägt. Junge Musiker sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Weitere Schulen können und sollen dazukommen, um der heimischen Big-Band-Schülerszene eine große Bühne zu geben.

Neben dem Goethe, dem AKG und der Geschwister-Scholl-Schule ist mit dem Starkenburg-Gymnasium auch ein Bildungshaus aus der Kreisstadt mit im Boot. Allesamt musikalische Visitenkarten ihrer Schule. Doch den Anfang machten die Gastgeber des Goethe-Gymnasiums, die ihren halbstündigen Block unter der Leitung von Profimusiker und Bassist Christoph Victor Kaiser (Jazz Pistols) mit Jazz- und Bluesklassikern begonnen hat.

Darunter eine fetzige Blues-Brothers-Revue mit den Krachern "Can't Turn You Loose" und "Soul Man", die den ersten Schauer tapfer und nicht ohne Wirkung regelrecht angebellt hat. Anspruchsvoll, aber gut gemeistert haben die Musiker den Police-Song "Every Little Thing She Does Is Magic", der in Big-Band-Besetzung ganz neue Facetten offenbart. Moderne Arrangements von bekannten Stücken, instrumentale Klasse und ein souveränes Zusammenspiel zeichnen die Band aus.

Dann blinzelte kaum etwas die Sonne, und die Heppenheimer sangen "Tequila". Das Starkenburg-Gymnasium rückte unter der Leitung von Frieder Schneeweiss und zwei Klarinetten an. Der schwüle Saxophon-Standard "Harlem Nocturne" von Earle Hagen aus dem Jahr 1939 bot Jazz in Reinkultur - wie geschaffen für eine blechlastige Big Band, die in Bensheim starke Kontraste aufgefahren hat. Zwischen dem brasilianischen Groove von "Mas Que Nada" und "Locked Out Of Heaven" von Bruno Mars liegen Welten.

Beachtliche Entwicklung

Unter der Ägide von Joachim Brenzel und Dirk Apfel hat sich die Big Band der Geschwister-Scholl-Schule beachtlich entwickelt. Mit viel Power und leidenschaftlichen Vokalparts brachte die Formation mit "Hound Dog" gleich neue Töne auf den Hof. Gitarrist Benjamin Niemyt übernahm den Gesangspart. Die GSS stürmte durch das Reich der Filmmusiken, neben "Lion King" und dem Thema aus James Bond kamen auch "Flashdance" und der Song "Eye Of The Tiger" aus Rocky III zu Gehör.

"Chefin" steht auf dem Band-Shirt von Sonja Hayer-Lenz. Seit mehr als 20 Jahren leitet sie den Klangkörper des AKG. Auch am Sonntag zeigte die Big Band eine enorme Portion Sicherheit in verschiedenen Stilen zwischen Swing, Latin und Rock. Die Formation stand schon mit der Jazzabteilung der Frankfurter Hochschule für Musik und darstellende Kunst auf der Bühne.

Beim Rotary-Benefiz überzeugten die Musiker durch einen klar definierten, vollen und transparenten Sound, der scharfe Konturen und eine starke Dynamik offenbarte. Stücke wie "Oye Como Va" mit einem klasse Schlagzeugsolo von Drummer Felix Ambach (an seinem Instrument Sieger bei "Jugend musiziert") und Kenny Dorhams cooler Standard "Blue Bossa" wurden begeistert beklatscht. Als Zugabe schlenzte die Band das Thema aus "Peter Gunn" von der Bühne. Insgesamt eine tolle Premiere im Big-Band-Sound. Mehr davon!

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 15.07.2014