Schüler verbringen Praktikum bei Abgeordneten im Bundestag und im Europäischen Parlament

Zwei unvergessliche Wochen

Berlin/Brüssel/Bensheim. Einmal hinter die Kulissen des Bundestags schauen oder ein Gespräch mit einem hochrangigen Politiker führen. Einmal das Kanzleramt besuchen oder an einer Sitzung im Europäischen Parlament teilnehmen. Ein absoluter Traum für jeden, der sich für Politik begeistert. Ein Traum, der jetzt für Julian Bernecker (16 Jahre), Jan Vogel (18), Lucas Renner (17) und Joris De Smet (17) wahr wurde.

Die vier Schüler des Goethe Gymnasiums in Bensheim absolvierten ihr Schulpraktikum bei Abgeordneten des Deutschen Bundestages beziehungsweise des Europäischen Parlaments. Zwei Wochen lang durften sie in den Büros von Christine Lamprecht (SPD), Brigitte Zypries (SPD) und Michael Gahler (CDU) mitarbeiten und so einen Eindruck vom Leben als Politiker gewinnen.

Während Jan (bei Zypries), Joris und Lucas (beide bei Lamprecht) den Deutschen Bundestag näher kennenlernen durften, konnte sich Julian (bei Gahler) ein Bild vom Europäischen Parlament in Brüssel machen. Ihre Erfahrungen waren durchweg positiv. Man könne ein solches Praktikum nur empfehlen, zogen sie einhellig Bilanz.

Für viele stellt sich allerdings zunächst die Frage, wie man überhaupt einen Praktikumsplatz bei einem Abgeordneten bekommt. Julian berichtet, dass die Schüler dabei in der Tat Hilfe hatten: "Ich habe erfahren, dass Herr Löffler, ein PoWi-Lehrer (Politik und Wirtschaft, Anm. der Red.) an unserer Schule, Schülern anbietet, sie für ein Praktikum an Abgeordnete zu vermitteln und zu empfehlen." Empfehlenswert waren die Vier, die sich mitunter bereits aktiv politisch engagieren, auf jeden Fall: Zwar gebe es für ein Praktikum im Büro eines Abgeordneten keine Voraussetzungen per se, dennoch sei ein gewisses Interesse an Politik durchaus von Vorteil.

Nachdem dann die Zusage gekommen war, mussten die angehenden Praktikanten den Rest in Eigenverantwortung organisieren. Für Unterkunft und Transport nach Berlin und Brüssel waren sie jedoch auf die finanzielle Unterstützung ihrer Eltern angewiesen, wobei auch die Schule einen kleinen Zuschuss beisteuerte.

"Alles ein Highlight"

Im Laufe der zwei Wochen hatten die Praktikanten die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen der großen Politik zu werfen. Das Besuchen der Ausschüsse und Plenarsitzungen wurde dabei beinahe zur Routine, aber deswegen nicht weniger beeindruckend. Im Gegensatz zu Besuchern hatte das Quartett die Möglichkeit, auch dabei zu sein, wenn die Prozesse zur Entscheidungsfindung liefen. Außerdem konnten sie an Führungen, Presseterminen, Abendveranstaltungen und privaten Gesprächen mit Politikern teilnehmen. "Eigentlich war alles ein Highlight", sagt Joris im Nachhinein.

Komplettiert wurde ihr Engagement durch die tägliche Büroarbeit. Die Schüler waren in den Büros der Abgeordneten unter anderem mit Rechercheaufgaben und dem Beantworten von Briefen beschäftigt.

Die Abgeordneten selbst haben sie dagegen nur selten gesehen. Dennoch habe man einen freundlichen Eindruck gewonnen. Trotz eines engen Terminplans seien sie stets zu Gesprächen bereit gewesen. Auf die Frage, wie man sich einen Politiker vorstellen müsse, antworten sie: "Sehr nett und sehr offen." Man sei direkt zum Duzen animiert worden und habe nie das Gefühl gehabt, fehl am Platz zu sein.

Erwartungen übertroffen

Natürlich kann Politik mitunter auch mal langweilig sein. Die Schüler räumen ein, dass sie auch solche Momente erlebt haben: "Manchmal hört man das gleiche Gespräch zum fünften Mal", räumt Lucas ein und Jan ergänzt: "Das kann sich dann ganz schön in die Länge ziehen."

Den Gesamteindruck ihres Praktikums mindert das allerdings keineswegs. Dass sie dabei die einmalige Gelegenheit hatten, Spitzenpolitiker aus nächster Nähe zu betrachten, hat die vier Schüler besonders fasziniert. Julian erzählt von einem Empfang, bei dem er Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, und Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, getroffen hat. So etwas hautnah zu erleben, sei ein ganz besonderes Erlebnis und ein einzigartiges Gefühl. Am Ende sehen sie ihre Erwartungen, die sie im Vorfeld an das Praktikum hatten, gar übertroffen.

Auswirkungen auf ihr späteres Berufsleben hat das "Traum-Praktikum" indes weniger. Man könne sich zwar durchaus vorstellen, während des Studiums in einem Abgeordnetenbüro mitzuarbeiten. Wirklich eine Laufbahn als Politiker anzustreben, erscheine den Schülern jedoch eine Spur zu hoch gegriffen - auch im Hinblick auf die zeitliche Belastung in diesem Beruf. Die zwei Wochen werden ihnen aber zweifellos ein Leben lang in guter Erinnerung bleiben.

Donnerstag, 16.04.2015

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