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Bensheimer Schüler setzen Zeichen für die Demokratie

Punkt für Demokratie 2Wie lässt sich Demokratie greifbar machen – jenseits von Unterricht, Lehrbüchern und theoretischen Diskussionen? In Bensheim haben Schülerinnen und Schüler darauf eine kreative und zugleich tiefgründige Antwort gefunden: mit einem gemeinsamen Kunstwerk aus unzähligen bunten Punkten. Jeder einzelne steht für eine eigene Stimme, eine eigene Haltung – und zusammen ergeben sie ein Bild dafür, was Demokratie ausmacht.

Im Rahmen des Projekts „Ein Punkt für die Demokratie“ kamen Schüler verschiedener Bensheimer Schulen an der Heinrich-Metzendorf-Schule zusammen, um ihre Ideen, Gedanken und Werte künstlerisch miteinander zu verbinden. Beteiligt waren die Grundschule Kappesgärten, die Kirchbergschule, die Karl-Kübel-Schule, die Heinrich-Metzendorf-Schule, das Goethe-Gymnasium sowie die Geschwister-Scholl-Schule. Bereits im Vorfeld hatten sich die Kinder und Jugendlichen dafür intensiv mit dem Thema Demokratie auseinandergesetzt. Sie diskutierten über Freiheit, Mitbestimmung, Vielfalt und Verantwortung – und hielten ihre persönlichen Vorstellungen schließlich kreativ auf einzelnen Punkten fest. Bei einem gemeinsamen Treffen an der Heinrich-Metzendorf-Schule wurden diese vielen individuellen Beiträge schließlich zu einem großen Gesamtkunstwerk zusammengefügt.

Das Ergebnis ist nicht nur optisch eindrucksvoll, sondern trägt auch eine klare Botschaft: Demokratie lebt von Vielfalt, von unterschiedlichen Meinungen und davon, dass jeder Einzelne zählt. Genau diese Idee spiegelt sich in der Vielzahl der Punkte wider. Auf ihnen ist zu lesen, was Demokratie für die Schüler bedeutet – etwa, dass sie Vielfalt schützt, Freiheit ermöglicht und nur dann funktioniert, wenn Menschen sich aktiv einbringen.

Initiiert und geleitet wurde das Projekt von Ayla Karaoglu, Sozialpädagogin an der Heinrich-Metzendorf-Schule. Für sie ist „Ein Punkt für die Demokratie“ weit mehr als ein einmaliges Kunstprojekt. Es soll ein Format sein, das Demokratie erlebbar macht und nachhaltig im Bewusstsein der Jugendlichen verankert. Die Idee: Jeder gesetzte Punkt ist ein persönliches Bekenntnis zu demokratischen Werten. Gleichzeitig soll das Projekt ein Auftakt sein – mit der Perspektive, solche Aktionen künftig regelmäßig durchzuführen, etwa jährlich im Frühjahr. Die Zusammenarbeit zwischen Karaoglu und den anderen Lehrkräften, die aus unterschiedlichen Schulen kommen, hat für die Beteiligten zudem gezeigt, wie groß die inhaltlichen Schnittmengen sind.

Kooperation als Schlüssel für die Zukunft

Da die Beteiligten fest davon überzeugt sind, dass diese Schnittmenge auch mit anderen Lehrkräften besteht, riefen sie dazu auf, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gegründete Schulkooperationsgruppe zu besuchen. Ziel der Gruppe ist es, den Austausch zwischen den Schulen zu intensivieren, gemeinsame Projekte zu entwickeln und ein Netzwerk zu schaffen, das sowohl die Schulen als auch die Zivilgesellschaft stärkt. Nur so könne man das Thema Demokratie langfristig gemeinsam weiter voranzubringen.

Ein besonderer Impuls für das Projekt entstand auch durch den ersten „Aktionstag Jugend“ in Bensheim, bei dem deutlich wurde, wie groß der Wunsch junger Menschen ist, mitzugestalten und gehört zu werden. Genau hier soll das Projekt auch künftig ansetzen: Es soll Räume schaffen, in denen Beteiligung möglich ist – unabhängig von Herkunft, Schulform oder sprachlichen Fähigkeiten. Gerade dieser Aspekt ist Ayla Karaoglu besonders wichtig. Für sie ist das Projekt ein „echtes Herzensanliegen“, das sowohl aus persönlicher Überzeugung als auch aus ihrer sozialpädagogischen Arbeit heraus entstanden ist. Ihr Ziel ist es, Schulen stärker miteinander zu vernetzen und gleichzeitig bei den Schülern ein nachhaltiges Bewusstsein für demokratische Werte zu fördern.

Rückblickend hat sie jedoch den Eindruck gewonnen, dass dieser zentrale Gedanke im bisherigen Verlauf etwas in den Hintergrund geraten sein könnte. Umso wichtiger ist es ihr, ihn erneut hervorzuheben. Dabei geht es ihr vor allem darum, Räume zu schaffen, in denen sich alle jungen Menschen einbringen können – auch jene, die sich sprachlich weniger gut ausdrücken können. Kunst und kreative Ausdrucksformen ermöglichen ihrer Ansicht nach Teilhabe auf einer anderen Ebene, fördern das Gefühl von Selbstwirksamkeit und eröffnen neue Zugänge zu komplexen Themen wie Demokratie.

Bei der Würdigung des Projekts unterstrich auch Schulleiter Thomas Bährer die Bedeutung dieses Engagements und der Demokratie. Gleichzeitig warnte er davor, Demokratie als selbstverständlich zu betrachten. „Demokratie ist kein Selbstläufer“, betonte er. Vielmehr beginne sie im Alltag, im Kleinen, bei jedem Einzelnen. Überall gebe es Möglichkeiten, sich für demokratische Werte einzusetzen – und genau das sollten junge Menschen erkennen und nutzen. Bährer ermutigte die Schüler dazu, sich langfristig zu engagieren, sich einzumischen und gegebenenfalls auch politische Verantwortung zu übernehmen.

Dass dieses Engagement über den Projekttag hinaus wirken soll, zeigt sich auch daran, dass das fertige Kunstwerk nicht nur den Beteiligten vorbehalten bleibt, sondern im Rahmen der Bensheimer Kunstmeile und bis zum 15. Mai im rechten Schaufenster neben dem Eingang des Kaufhaus Ganz öffentlich präsentiert wird. 

Bergsträsser Anzeiger, 04.05.2026