„Europa macht Spaß“ war am Rande des Europatags am Goethe-Gymnasium aus den Reihen der Besucher zu hören. Auf kommunalpolitischer Ebene mag das nicht immer so gesehen werden, vor allem wenn Europa als „bürokratisches Monster“ empfunden wird, wie es Landrat Christian Engelhardt in seiner Ansprache am Dienstagabend in der Mensa formulierte. Doch an diesem Abend zeigte sich Europa auf jeden Fall mit großem Unterhaltungswert und der Erkenntnis, dass die Idee einer europäischen Einheit Zukunft hat. Denn die Akteure des Abends waren ausschließlich Schülerinnen und Schüler von acht Bergsträßer Schulen, die sich des Themas auf unterschiedlichste Art und Weise angenommen haben. Mit der Präsentation ihrer Projekte sorgten sie nicht nur für ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm, sie gaben auch ein Beispiel für die in Europa vorhandene Vielfalt an Möglichkeiten.
Für den diesjährigen Europatag hatte der Kreis Bergstraße, zusammen mit der Europa-Union Bergstraße, den 5. Mai als Veranstaltungstag ausgewählt. Er ist einer von zwei Europa-Feiertagen, der an die Gründung des Europarates 1949 erinnert. Der Feiertag am 9. Mai erinnert an die historische Rede des französischen Außenministers Robert Schuman 1950, die den Grundstein für die Europäische Union legte. Während im vergangenen Jahr der 75. Jahrestag der Schuman-Erklärung im Mittelpunkt stand, gibt es in diesem Jahr zwei runde Jubiläen zu feiern: 40 Jahre EU-Mitgliedschaft von Portugal und Spanien und den 40. Jahrestag der ersten offiziellen Feierlichkeiten zum Europatag am 9. Mai.
Beim Europatag am Goethe-Gymnasium waren neben den vier Bergsträßer Europaschulen (Goethe-Gymnasium, Schloss-Schule Heppenheim, Alexander-von-Humboldt-Schule Viernheim, Lessing-Gymnasium Lampertheim) auch die Heinrich-Metzendorf-Schule Bensheim, das Litauische Gymnasium Hüttenfeld, die Friedrich-Fröbel-Schule Viernheim und das Überwald-Gymnasium Wald-Michelbach vertreten. Sie alle sind insbesondere durch Austauschprogramme in Europa unterwegs und haben das in unterschiedlichen Kunst- und Filmprojekten entsprechend des Veranstaltungsmottos „Gemeinsam Europa leben – unsere Schule, unser Beitrag, unsere Chancen“ präsentiert.
Angefangen von den „Goethinis“ – einer Streichergruppe der Jahrgänge 5 bis 7 - bis zum gemeinsamen Singen der Europahymne, begleitet von Tina Behet am Flügel, wurde ein dreieinhalbstündiges Programm geboten, durch das Alessio Perez gekonnt und locker führte. Schon bei der Demokratiekonferenz in der ehemaligen Kantine der Firma Sanner in Auerbach im vergangenen November hatte er seine Moderatorenfähigkeit bewiesen.
Auf das „mit Herzblut“ betriebene breite Engagement am Goethe-Gymnasium hatte Schulleiter Christian Peter als Hausherr in seiner Begrüßung hingewiesen. Er verwies auf die Schulpartnerschaften in vielen europäischen Ländern, auf die seit 2012 in allen sechs Parallelklassen angebotenen Schüleraustauschfahrten, auf vielfältige Ganztagsangebote, die täglich zehnminütige Lesezeit in allen Klassen und vieles andere mehr, das dazu beitrage, Demokratie zu lernen.
Der Erhalt, die Stärkung und das gemeinsame Einstehen für die Demokratie spiegelten sich auch in den einzelnen Projekten wider. Seien es die Liedbeiträge des Schulchors der Schloss-Schule Heppenheim („Zusammen sind wir stark“), das Kunstprojekt der Heinrich-Metzendorf-Schule (zu sehen auf dem Schulgelände) oder der Stop-Motion-Stummfilm als respektvolle Verbeugung vor dem Leben und der Ethik von Albert Schweitzer. Entstanden ist dieser Film bei einem Austausch der Goethe-Schüler mit französischen Schülern im Elsass. Beeindruckend auch die Choreografie der Tanz- und Percussion-AG des Goethe.
Litauische Austauschschüler sorgen für Stimmung
Für ordentlich Stimmung und Begeisterung in der Mensa sorgten die litauischen Austauschschüler der Friedrich-Fröbel-Schule Viernheim, während das Litauische Gymnasium auf der Basis eines traditionellen litauischen Musikstücks auf Reisen ging und vor allem Toleranz, Respekt, Offenheit, Neugier und Dankbarkeit in die Koffer packte.
Das Lessing-Gymnasium Lampertheim hatte neben einem musikalischen Beitrag der Big Band auch ein Video vom Besuch des Kernforschungszentrums CERN in Genf mitgebracht. Der Beitrag des Überwald-Gymnasiums gab Einblick in eine Austauschfahrt der Schule nach Barcelona, wo mit den dortigen Schülern an einem Theaterprojekt mitgewirkt wurde, und auch die Alexander-von-Humboldt-Schule Viernheim war mit einem Videobeitrag und der Schulband „Tone-Twisters“ vertreten.
Landrat Engelhardt sprach in seiner Ansprache von Europa als einem „Möglichkeitsraum“, denn die Zukunft werde internationaler und viele Schüler von heute werden morgen in Europa leben und arbeiten.
Egal, woher man komme, sei es entscheidend, neugierig und offen zu sein und die Bereitschaft zu haben, aufeinander einzugehen und sich aufeinander einzulassen.
„Regelbasierte Weltordnung für Europa eine wichtige Basis“
Steven Schwarz, Vorsitzender der Europa-Union Bergstraße, ging auf das Zeitalter transatlantischer Zerwürfnisse ein, durch die Europa komplexer und um einiges unsicherer geworden sei als in den 90er Jahren. Die regelbasierte Weltordnung sei für Europa eine wichtige Basis, die weiter aufgebaut werden müsse. Mit dem Erasmus+-Programm, das von vielen Schulen für ihre Austauschprogramme genutzt wird, schaffe die Europa-Union Möglichkeiten, internationale Kompetenz zu erlangen.
Erster Stadtrat Frank Daum sprach von Europa als Errungenschaft, die immer wieder neu erarbeitet werden müsse. Es sei wichtig, dass der europäische Gedanke von der jungen Generation getragen werde und das Erasmus-Programm zeige konkret, wie aus Ideen Leben wird.
Jan Fuchs vom Kreis Bergstraße verdeutlichte in seinem Vortrag, welche Möglichkeiten das Erasmus+-Programm bietet, bevor Kreistagsvorsitzender Joachim Kunkel zum Abschluss seinen Respekt angesichts der „vielen tollen Beiträge“ zum Ausdruck brachte und von einem „tollen Abend für Europa“ sprach. Es sei erstaunlich, was an den Schulen alles geleistet werde.



